Freitag, 8. Januar 2021

Rezension: Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick - Joe R. Lansdale

Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick - Joe R. Lansdale
© Tropen Verlag
Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick
| Joe R. Lansdale |

Verlag: Tropen Verlag 2016
Seiten: 477 
ISBN: 9783608501407

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★ - 



Ein wahres Abenteuer im Wilden Westen

Willie sollte nur ein paar Besorgungen machen, während am Weg in die Stadt sein Blick am Hintern einer weißen Frau hängen bleibt. Er nimmt die Beine in die Hand und lässt damit sein bisheriges Leben hinter sich, um zum berühmt-berüchtigten Deadwood Dick zu werden. 

„Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ist ein Western und ein Abenteuerroman, der auf den wahren Ereignissen um Deadwood Dick alias Nat Love basieren. 

Deadwood Dick war ein schwarzer Revolverheld im Wilden Westen, der sich bei Schießwettbewerben, Auseinandersetzungen und im Umgang mit raubeinigen Banditen einen Namen machte. Joe R. Lansdale lässt sein bewegtes Leben Revue passieren und verpackt es in einen gelungenen Abenteuerroman.

„Wie ich Deadwood Dick geworden bin, und das allermeiste davon ist so wahr, wie’s gerade ging, wenn man bedenkt, dass keiner langweilige Stellen mag.“ (S. 473)

Somit nimmt Lansdale den Leser zuerst in den Süden mit, wo der Auslöser des bewegten Lebens der Hauptfigur zu finden ist. Willie Jackson wurde als Sklave geboren, durch den amerikanischen Bürgerkrieg befreit, und zu einem Menschen zweiter Klasse, nicht nur, wenn es um die Hinterteile weißer Frauen geht. 

Durch eine banale Unachtsamkeit begibt sich der Junge in große Gefahr, die nicht nur für ihn selbst dramatische Konsequenzen hat. Doch das Schicksal hat es insgesamt gut mit ihm gemeint und ein Rädchen treibt das Nächste. Dadurch wird aus dem jungen Schwarzen mit den Segelohren der berühmte Deadwood Dick, der mit glänzenden Revolvern schießt.

Als Leser begleitet man ihn durch viele Stationen, die manchmal lehrreich und familiär, ein anderes Mal abstoßend grauslich und blutig sind. Joe R. Lansdale zeichnet ein authentisches Bild des Wilden Westens. Die Büffel donnern über die Prärie, vor Indianern ist man auf der Hut, die Menschen sitzen fest im Sattel, dafür haben sie umso lockerer die Hand auf den Abzug gelegt. 

Bei ungefähr der Hälfte der Geschichte kommt Willie, der sich inzwischen Nat Love nennt, im einzigartigen Städtchen Deadwood an. Allein der Name steht für außergewöhnliche Gemütlichkeit, und so siedelt sich Willie alias Nat für’s Erste hier an.

Deadwood in South Dakota ist eine „...Außenstelle für Glücksspiel, Mord und andere gesetzeswidrige Aktivitäten ...“ (S. 394)

Es ist dreckig, die Luft stinkt nach Körperausdünstungen und Alkohol, die Ratten huschen durch Verschläge, Manieren sind im Suff verschwunden und berühmte Helden wie Banditen geben sich im Saloon die Hand. 

Ich habe Lansdales Version von Deadwood Dick gerne gelesen. Für mich war es ein zeitgeschichtlicher Ausflug in den Wilden Westen, hat mir Namen und Begebenheiten näher gebracht, und ein Gefühl für das hartgesottene Leben gegeben. Obwohl Lansdale gleichermaßen Wild-West-Kitsch einfließen lässt, beweist er ein Auge für’s Detail. Ungeschönt berichtet er von den Gefahren für Frauen, Schwache und Besoffene, weist auf viele Ungerechtigkeiten hin, und gibt den berühmten Namen von damals ein Gesicht. 

Außerdem freut es mich, dass ich die Geschichte eines schwarzen Revolverhelden kennenlernen durfte. Durch zahlreiche Western vom Fernsehen geprägt, sind sie für mich immer Weiße gewesen, was eindeutig nicht der Realität entspricht. 

Besonders hat es mir neben Nat sein Freund James Butler „Wild Bill“ Hickok angetan, weil er den Charme des Revolverhelden auf den Punkt bringt, und damit die Schwächen dieser heroischen Spezies zeigt. 

Alles in allem ist „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ein historischer Wild-West-Roman mit reichlich Abenteuerflair, genau wie es der Titel verspricht. Joe R. Lansdale hat, meiner Meinung nach, dem Helden alle Ehre gemacht. 
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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. ...außergewöhnliche Gemütlichkeit...ja Deadwood war schon ein beschauliches Fleckchen Erde.^^

    Liebe Nicole,

    ich muss hoffentlich nicht schreiben, wie gern ich dieses Abenteuer mit dir verfolgt habe. Doch ich mag nicht unerwähnt lassen, wie gelungen deine Rezension dazu ist!!!

    Für das neue Jahr hoffe ich sehr/wünsche ich mir insgeheim, dass wir die eine oder andere Runde gemeinsam bestreiten, denn die Runden im letzten Jahr waren mein persönlicher Lichtblick, die mich nicht selten hervorgelockt und gut unterhalten haben. Danke für die gemeinsame Zeit. <3

    Mit allen lieben Wünschen für das neue Jahr und allerliebsten Grüßen, Hibi

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    1. Hallo Hibi,

      ich bin dir dankbar, dass du uns einen Schubs gegeben hast. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Cover dem gesamten Buch schadet. :D Allerdings springen die Männer anscheinend drauf an. XD

      Es war mir wieder eine große Freude gemeinsam mit dir einen weiteren Lansdale zu erkunden. Viel haben wir ja nicht mehr zur Auswahl.

      Danke dir!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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