Dienstag, 23. Februar 2021

Rezension: 13zehn - Daniel Juhr & Daniel Kohlhaas

| Daniel Juhr & Daniel Kohlhaas |

Verlag: JUHRmade 2019
Seiten: 320 
ISBN: 9783942625517

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★ - 



Raffiniertes Grusel-Gemälde

Die Geschichten eines Pfarrers, eines Vaters, einer Mutter und einer jungen Frau erwarten den Leser und verblüffen mit einem raffiniertem Grusel-Spektakel. 

„13zehn“ ist ein origineller Kurzgeschichten-Band, der für den Leser vier gruselige Geschichten bereithält und mit gewandtem sowie ungewöhnlichem Stil zu erstaunen weiß. 

Ich habe dieses Buch durch Zufall entdeckt. Mich hat - zugegeben - das Cover angesprochen und meine Neugier war geweckt. Zwar bin ich eher kein Freund von Kurzgeschichten, doch das ungewöhnliche Konzept hat mich gereizt. Und da ich immer auf der Suche nach guten Schauergeschichten und Horror-Büchern bin, hat es seine Chance gekriegt. 

Ein Pfarrer konfrontiert mit seiner nebulösen Vergangenheit, ein Vater trauert um seine verschwundene Tochter, eine junge Frau ist in der Hand einer ungeheuerlichen Familie und eine Mutter hat einen Unfall, deren Folgen sie kaum erträgt.

Alle Geschichten haben eine drückende und schwere Atmosphäre gemein. Sie sind in Grautönen schraffiert, spielen mit den Eindrücken, verwirren Leser und Figuren und steuern auf ein gemeinsames Ende zu, das sich in wohliger Gänsehaut auflöst.

Obwohl jede der Geschichten als Stand-Alone gelesen werden kann, ergeben sie zusammen ein imposantes Gemälde, welches aus winzigsten Mosaiksteinen zusammengesetzt ist. 

Der dunkle Rahmen der Sammlung führt anfangs auf ein Schlachtfeld des Zweiten Weltkriegs, wo der Tod mit kalter Hand durch die Soldaten pflügt. Zwischendrin blitzen zarte Zusammenhänge auf, die den einzelnen Schauergeschichten zusätzliche Grusel-Stimmung verleihen, und die Verbindung grazil andeuten.

Die Geschichten selbst sind ruhig, dafür fesselnd, erzählt. Ich habe jede Handlung für sich genommen als ungeheuerlich, manchmal verstörend und insgesamt recht tragisch empfunden. Dabei spielen die Autoren mit subtilen Horror und bewegen sich meist nah an der Grenze zum Übernatürlichem. Es ist trotzdem eher so, dass die realistischen Elemente und Hintergründe für den Schauereffekt sorgen und der mysteriöse Gruselanteil eher als sanft schmückendes Beiwerk glanzvolle Highlights im Gesamtwerk setzt.

Jede Geschichte ist für sich genommen richtig gut und in sich abgeschlossen. Daher kann das Buch von vorne bis hinten, von hinten nach vorne oder querfeldein gelesen werden. Trotzdem empfehle ich dringend, klassisch vorzugehen und es von Anfang bis Ende zu lesen. Denn die erzählerische Finesse der Autoren hat mich beeindruckt und die einzelnen Steinchen habe ich fasziniert zum Gesamtbild zusammengesetzt, was vermutlich nur möglich ist, wenn die Reihenfolge eingehalten wird. „13zehn“ ist eindeutig anders. Es ist vom Gefühl her weder eine Kurzgeschichtensammlung noch ein vollständiger Gruselroman, sondern generell eine eigene Art, eine schaurige Geschichte zu erzählen.

Ich denke, wer sich gerne auf Außergewöhnliches einlässt, dabei subtiles Gruseln sowie düstere Erzählungen mag, wird mit diesen zwei Autoren und ihren vier Geschichten mit einem bösen Ende ein gruselig-raffiniertes Gemälde entdecken.
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MEINE BEWERTUNG
★★★★★

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Kommentare:

  1. Hallo Nicole!
    Das klingt wirklich sehr gut. Ich mag genau die Dinge, die du in deinem letzten Satz erwähnst. Also wandert das Buch auf meine Wunschliste. :)
    Außerdem passt es super zu meinem Anthologien Jahr. ;)
    Danke für deine Rezension!
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    Antworten
    1. Hallo Diana,

      ich finde das Buch wirklich sehr besonders. Es ist so kunstvoll zusammengesetzt und von der Atmosphäre her sehr mystisch. Eigentlich kann es auch als Roman betrachtet werden, weil die Geschichten auf eine merkwürdige Weise wieder eine Geschichte ergeben. Stimmt! Für dein Themenjahr passt es perfekt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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