Freitag, 19. Februar 2021

Rezension: Dschinn - André Wegmann

| André Wegmann |

Verlag: Redrum Verlag 2019
Seiten: 350 
ISBN: 9783959577281

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★ - 



Horror aus der Wüste

Ein sechzehnjähriger Junge schlachtet seine Familie ab. Er tötet seine Freunde und die Eltern, bis er sich guter Letzt selbst richtet. Währenddessen verschwindet eine junge Studentin, die Privatdetektiv Christian Harms finden soll. Er ahnt nicht, dass er damit in den Sog der Hölle gerät. 

„Dschinn“ ist ein Horror-Roman der Blut, Okkultismus und Krimi zu einer soliden Handlung - aufgepeppt mit findigen Ideen - vereint.

Zu Beginn ist man auf Familienurlaub im Oman, wo der jugendliche Marvin mit seinen Eltern über einen Bazar schlendert. Wieder in Deutschland fällt der Junge in einem Blutrausch über seine Familie her, metzelt seine Freunde nieder, bis das Massaker mit Selbstmord zu Ende geht.

Dann betritt Privatermittler Christian Harms die Handlung, der nach einer jungen verschwundenen Studentin sucht. Er gelangt in mystisches Terrain, wo er sich grundsätzlich unwohl fühlt, und trotzdem bleibt er hartnäckig am Ball. 

Christian Harms hat eindeutig sein Päckchen zu tragen und ist von seiner Vergangenheit gezeichnet. Aufgrund eines schweren Schicksalsschlags hat er sich von Gott abgewandt und sucht Erlösung eher in Wut und Alkohol als in einem frommen Lebensstil.

Im Lauf der Ermittlungen begegnet ihm Klosterschwester Bernadette, die mit ihrer positiven, gottesliebenden Lebensart das Pendant zu dem abgebrühten Detektiv ist. Dennoch entwickelt sich eine gemeinsame Perspektive auf den Fall, und sie merken, dass sie trotz unterschiedlicher Anschauungen einer existenziellen Gefahr auf die Spur gekommen sind.

Die Figuren hätten meinen Geschmack nach mehr Tiefe vertragen. Obwohl sich André Wegmann deutlich bemüht, ihnen eine Geschichte, Hintergründe und Motivation zu verleihen, sind sie mir teilweise eine Spur zu blass geraten, was in Hinblick auf das souveräne Gesamtpaket schade ist.

Es gab einige Details, die eher nicht meins waren. Gestört hat mich, dass Whiskey relativ oft vorgekommen ist, was mir bei Autoren häufig auffällt. Ich frage mich, ob Männer allgemein Whiskey-Fantasien in Zusammenhang mit Erotik und Gewalt mit sich herumtragen, oder ob ihnen nicht bewusst ist, dass es eine Vielzahl an anderen hochprozentigen Alkoholika im Spirituosen-Regal zu finden gibt.

Thematisch hat mich der Autor sofort an der Hand gehabt. Ich mag es, wenn Horror-Romane von Sagen, Märchen, Legenden oder Religionen gespeist sind, und sich altes Grauen in unserer modernen Realität ausbreitet. 

Die Handlung selbst ist solide sowie faszinierend und vereint etliche Elemente, die man als Horror-Leser gerne hat. Der Autor hat es mir aber zu früh knallen lassen. Ich hätte es spannender gefunden, wenn nicht sofort klar gewesen wäre, was hinter den blutrünstigen Taten steckt. Die Morde sind bestialisch und brutal beschrieben, womit insbesondere Splatter-Freunde auf ihre Kosten kommen. Gleichzeitig wird der subtile Horror anhand okkulter Elemente bedient, was insgesamt ein gutes Zusammenspiel ergibt.

Am Anfang und Ende des Romans wird der Leser bildgewaltig in die Wüste versetzt. Meiner Meinung nach hat André Wegmann bei diesen Passagen sein schriftstellerisches Können gezeigt. Ich war fasziniert vom heißen Wind, der eindrucksvollen Unendlichkeit der Sandlandschaft und vor meinen Augen haben sich die Dschinns aus ihren Winkeln in die Welt erhoben.

Alles in allem ist „Dschinn“ solider Horror, der mir persönlich zu früh sein Potential verrät, dennoch unterhaltsam zu lesen und an Genre-Freunde zu empfehlen ist.
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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Das klingt ja irgendwie echt originell :D Nur schade, dass der Autor zu früh zu viel verrät, irgendwie ahne ich jetzt vom Titel und der Beschreibung schon, was dahinter stecken könnte :D

    Aber hey, irgendwie klingt es trotzdem gut! :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      hier ist irgendwie Splatter mit subtilen Horror vermischt. Eine wirklich gute Idee und die Umsetzung fand ich insgesamt solide. Ich mag es halt subtil, daher hat es mich nicht umgehauen. Lesen lässt es sich auf jeden Fall.

      Ähm, ja, das liegt schnell auf der Hand. XD

      Liebe Grüße,
      Nicole

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