Freitag, 5. Februar 2021

Rezension: Wenn das Licht gefriert - Roman Klementovic

Wenn das Licht gefriert - Roman Klementovic
© Gmeiner Verlag
Wenn das Licht gefriert
| Roman Klementovic |

Verlag: Gmeiner Verlag 2020
Seiten: 349 
ISBN: 9783839227701

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★ - 



Wenn das Vergessen an der Erinnerung rührt

Elisabeth und Friedrich sind seit 40 Jahren verheiratet. Trotz einiger Schicksalsschläge sind sie glücklich, auch wenn Friedrichs Alzheimererkrankung dunkle Schatten auf den Alltag wirft. Bei einer Fernsehsendung über unaufgeklärte Mordfälle gibt der verwirrte Mann plötzlich Details über ein Mordopfer von sich, die er nicht kennen kann. Elisabeth beschleicht ein schauriger Verdacht. 

"Wenn das Licht gefriert" ist ein Psychothriller, der dunkle Geheimnisse der Vergangenheit in die düstere Gegenwart holt, und den Leser auf eine beängstigende Tätersuche schickt.

Elisabeth hat es insgesamt gut. Sie ist zufrieden und glücklich verheiratet, auch, wenn die Betreuung ihres an Alzheimer erkrankten Mannes zu einer immer größeren Herausforderung wird. Sie schaut auf glückliche Jahre zurück und freut sich, dass sie trotz allem den Alltag zufrieden meistern kann. 

Eines Abends wird eine Fernsehsendung über ungeklärte Mordfälle ausgestrahlt. Darin wird ein Beitrag gezeigt, der den Mord an der besten Freundin von Friedrichs und Elisabeths Tochter schildert. Seit 22 Jahren ist der Täter auf freiem Fuß. Und mittendrin erwähnt Friedrich ein Detail, das er nicht wissen dürfte. Elisabeth kriegt es mit der Angst zutun.

Ich finde es eine richtig gute Idee, dass Klementovic einen Cold Case mit einem Alzheimer-Patienten verbindet. Schon allein die Ausgangslage bietet enormes Spannungspotential, weil Friedrich - egal wozu und wie er sich äußert - in Hinblick auf seine Erinnerungen unzuverlässig ist. Wer weiß, was er durcheinanderbringt und ihm in den Sinn kommt, wenn er bestimmte Szenen sieht?

Damit entfacht der Autor bei Elisabeth einen spannungsgeladenen Konflikt. Sie ist innerlich zerrissen, drängt nach Antworten und fürchtet sich. Sie schaut auf eine Jahrzehnte lange glückliche Ehe zurück, die mit einer einzigen Bemerkung komplett in Frage steht. 

Daraufhin stellt Elisabeth eigene Nachforschungen an, welche in unterschiedlichste Richtungen gehen. 

Klementovic schickt Elisabeth samt den Leser auf einen schlammigen Weg aus Verdächtigungen. Es werden ständig neue Täter auf's Tapet gebracht, die dann erst wieder in eine Sackgasse führen. Grundsätzlich erinnert mich der Aufbau an einen Whodunit-Krimi, weil er sich auf die kleine Stadt mit einer überschaubaren Anzahl an Bewohnern konzentriert.

Gleichzeitig baut der Autor Elisabeths Anstrengungen mit dem kranken Ehemann ein. Er veranschaulicht die zehrenden Herausforderungen, denen sie Tag für Tag ausgesetzt ist. Durch ihr geduldiges Verhalten und ihre Fürsorge wird die Liebe zu ihrem Mann in den Mittelpunkt gestellt, die aufgrund einer verwirrt geäußerten Aussage während einer TV-Sendung auf wackeligen Beinen steht. 

Die Atmosphäre ist der Handlung gekonnt angepasst. Es ist Herbst, es ist kalt und es regnet, sodass der Schlamm selbst an den Füßen des Lesers klebt. Dadurch wird das passende Ambiente erzeugt, was dem Thrillergeschehen eine zusätzlich düstere Note verleiht.

Ich fand den Thriller spannend und gut zu lesen. Der Ausgang beziehungsweise die Hintergründe um den Mord haben mir weniger gefallen. Ich jammere mal wieder auf hohem Niveau, weil es bestimmt nicht einfach ist, diverse wirre Wege in einer Handlung aufzubauen und am Ende mit einem glaubwürdigen Abschluss zu punkten. Mir war es trotzdem zu einfallslos, weil - wie bei vielen Thrillern - das Kaninchen aus dem Hut gezogen wird. 

Dafür hat Roman Klementovic eine Abschlussszene geschaffen, bei der nicht nur das Licht sondern auch das Herz gefriert. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich sie mir vor Augen führe. 

Alles in allem ist „Wenn das Licht gefriert“ ein fesselnder Psychothriller, der die Schrecken einer Krankheit von mehreren Seiten vor Augen führt, damit in der Vergangenheit rührt und somit zur Gefahr in der Gegenwart wird: Souverän erzählt und äußerst spannend zu lesen.
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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Hi Nicole,

    das hört sich definitiv spannend an und ja, auch ich mag es nicht, wenn dann plötzlich etwas "aus dem Hut gezaubert wird", aber Thrillern ist mir die Spannung noch wichtiger und die scheint ja hier gegeben zu sein. Außerdem klingt es mal nach einem etwas anderen Szenario als üblich.
    Es rutscht auf meiner Wunschliste jedenfalls etwas weiter nach oben :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      der Weg bis zum Hut ist wirklich gut. Und ich jammere in meiner Rezension auf hohem Niveau. Es macht nur einen kleinen Teil aus - daher ist es definitiv lesenswert.

      Ich hoffe, dass es dir gefällt. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Gänsehaut hatte ich schon bei deinem ersten Absatz, liebe Nicole.
    Daher ist es eher dein Kritikpunkt, der mich etwas zögern lässt, da wir nicht selten
    sehr ähnlich empfinden, wenn es um Bücher und die Darstellung geht. Andererseits bin ich aber auch sowas von neugierig.^^ Und daher sagt mir ein guter Blick in das Bücherregal der Bib, dass das Buch da steht. Eine gute Gelegenheit, sich auszuprobieren. :D
    Danke für den Buchtipp.
    Liebst, Hibi

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    1. Hallo Hibi,

      über diese kleinen Kritikpunkt kann man drüber stehen. Der Weg bis dahin ist sehr spannend und irgendwie musste der Autor wohl alles zu einem Ende fügen. Also, davon solltest du dich keinesfalls abschrecken lassen. Es ist lesenswert. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Huhu (=

    Auch deine Rezension (Gabi aus dem Laberladen war auch angetan) verführt mich zum Lesen wollen, zumal die ersten zwei Bücher des Autors mich begeistern konnten. Noch steht ein Titel von ihm ungelesen hier, aber auch "Wenn das Licht gefriert" soll noch folgen. Auf meiner Wunschliste steht das Buch bereits und es interessiert mich nach deinen Worten noch etwas mehr, auch wenn dir die Hintergründe nicht ganz zusagen. (Wobei dein Kritikpunkt auch mich in Thrillern immer wieder stören und es aktuell nicht mein bevorzugtes Genre ist) - aber auf der Wunschliste bleibt der Titel, da richtet dieser auch keine steigenden SuB-Zahlen an XD

    Muckelige Grüße!

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    1. Hallo Janna,

      für mich war es das erste Buch vom Autor und ich fand es allein von der Ausgangslage her originiell. Es war insgesamt mal etwas anderes und sehr feinfühlig beschrieben. Das hat mir imponiert. Ja, ich glaube, dieser Kritikpunkt liegt auch daran, dass ich eben schon so viele Thriller gelesen habe. Irgendwann wird es ein bisschen langweilig, wenn das Überraschungsmoment kommt. Daran sollte man sich jedoch nicht allzu sehr stören, weil das Buch insgesamt wirklich gut ist.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Liebe Nicole,
    den Kritikpunkt verstehe ich und war auch meiner...aber was du auch angesprochen hast war die Abschlusszene! Wie genial war die denn bitte?! Fand ich richtig gut!
    Ich habe ja bereits alle Thriller von Roman gelesen und diese düstere Stimmung ist in allen richtig gut rübergebracht. Auch das Setting ist immer sehr ähnlich.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      die Abschlussszene war der Hammer! Ich habe richtig Gänsehaut gehabt. Ich sehe sie sogar jetzt deutlich vor mir.

      Ich habe Roman Klementovic jetzt jedenfalls am Schirm. Außerdem hat er mir mit der Ausgangslage imponiert, es war insgesamt sehr lesenswert.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Hallo liebe Nicole

    Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich bei Martina und es freut mich sehr, dass dir das Buch gefallen hat, auch wenn du einige Punkte zu kritisieren hattest.

    Ich habe es mir auf jeden Fall auf die Wunschliste gepackt :-)
    Alles Liebe an dich
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      bei Thriller kritisiere ich immer auf recht hohem Niveau, daher darfst du dich davon nicht abschrecken lassen. Wenn ein Thriller 4 Sterne hat, dann ist er gut. Egal, worüber ich in der Rezension nörgle. ;)

      Ich hoffe, es gefällt dir!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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