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| © Lübbe |
| Laura Coleman |
Verlag: Lübbe 2022
Seiten: 368
ISBN: 978-3431050424
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Wichtiges Buch
Mit Anfang zwanzig weiß Laura Coleman nicht so recht, wohin ihr Weg führen soll. Sie bricht kurzerhand zu einer Reise durch Bolivien auf. Dort landet sie in einer Tierauffangstation, ein Ort, der ihr ganzes Leben verändern wird.
Schon bei Erscheinen hat „Spaziergang mit Puma“ meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich liebe Tiere und ganz besonders Katzen, wobei deren Größe für mich ehrlich gesagt keine Rolle spielt. Trotzdem hat es einige Jahre gedauert, bis dieses Buch den richtigen Lesemoment gefunden hat. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn diese wahre Geschichte hat mich tief bewegt und auf eine Weise berührt, mit der ich nicht gerechnet hatte.
In ihrem fast biografischen Werk erzählt Laura Coleman von der Entscheidung, die ihr Leben vor mehr als zwanzig Jahren grundlegend verändert hat. Eigentlich wollte sie nur dem Alltag entfliehen und durch Südamerika reisen. Doch als sie in einer Tierauffangstation mitten im Dschungel landet, nimmt ihr Weg eine völlig andere Richtung.
Anfangs ist sie von den Zuständen regelrecht geschockt. Die Unterkünfte sind einfach, gefährliche Spinnen machen selbst den Gang zur Toilette zu einem kleinen Abenteuer und die Affen treiben ihre ganz eigenen Späße mit den freiwilligen Helferinnen und Helfern. Mehr als einmal spielt sie gedanklich bereits durch, wie sie möglichst schnell wieder verschwinden könnte. Und dann passiert etwas, womit sie selbst wohl nie gerechnet hätte. Sie bleibt. Gefangen in der Liebe zu den Tieren und in der Aufgabe, die sie übernommen hat.
Laura Coleman berichtet von den unterschiedlichsten Bewohnern der Station, erzählt von Vögeln, die sie ins Herz geschlossen hat, von interessanten Begegnungen mit Affen und natürlich davon, wie es ist, mit einem Puma spazieren zu gehen. Dabei entsteht eine außergewöhnliche Nähe zu den Tieren, die mich trotz der Ernsthaftigkeit immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat.
Der schonungslose Blick hinter die Kulissen solcher Auffangstationen hat mich arg mitgenommen. Bisher habe ich diese Orte immer als sichere Häfen wahrgenommen, in denen Tiere nach schweren Zeiten wieder gesund werden, um irgendwann in die Freiheit zurückzukehren. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass die Realität oft viel trauriger aussieht. Viele der Tiere haben gar keine Chance mehr auf ein Leben in freier Wildbahn. Pumas fürchten sich vorm Dschungel, Vögeln wurden die Flügel gestutzt und Affen leiden unter schweren Verhaltensstörungen, weil sie wie Menschenkinder aufgezogen wurden. Beim Lesen war ich immer wieder erschüttert. Nicht nur darüber, wie grausam Menschen sein können, sondern auch darüber, wie viel Leid aus Unwissenheit und Gedankenlosigkeit entstehen kann.
Ebenso beeindruckt haben mich die Menschen, die ihr Herzblut in diese Arbeit stecken. Laura Coleman schildert, wie freiwillige Helferinnen und Helfer im Dreck wühlen, mit Schweinen spielen, Gehege bauen und dabei ständig über ihre eigenen Grenzen hinauswachsen. Manche bleiben nur wenige Wochen, andere viele Jahre. Gemeinsam haben sie alle, dass sie ihr Bestes geben und oft mit gebrochenem Herzen weiterziehen.
Auch die ständigen Geldsorgen und die Herausforderungen, genügend Futter und geeignete Unterkünfte für die Tiere zu finanzieren, werden eindrucksvoll geschildert.
Richtig schwer zu lesen waren für mich die Kapitel über einen verheerenden Dschungelbrand. Mehrmals musste ich das Buch zur Seite legen, weil mich die Schilderungen so aufgewühlt haben. Denn wenn ein Wald brennt, verschwinden nicht nur Bäume. Diese Erkenntnis hat sich tief bei mir eingebrannt.
Trotz aller ernsten Themen ist es nicht durchweg bedrückend. Es gibt viele wunderbare Momente voller Lebensfreude. Es wird gemeinsam gegessen, herumgealbert, manchmal ein wenig gefeiert und natürlich über die kleinen und großen Eigenheiten der Tiere gelacht. Die Mischung aus bewegenden, erschütternden und schönen Augenblicken hat das Buch für mich schon sehr besonders gemacht, auch wenn es sich stellenweise etwas zu nostalgisch, zu glorifizierend liest.
„Spaziergang mit Puma“ ist meiner Meinung nach ein ungemein wichtiges Buch. Es hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass wir Menschen längst nicht so weit sind, wie ich es mir wünschen würde. Manche Geschichten unterhalten. Andere verändern den Blick. Laura Colemans Erinnerungen gehören für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
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Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenIch glaube, irgendwann haben wir uns mal ganz kurz zu dem Buch unterhalten, kann das sein? Ich finde ja das Cover irgendwie nicht so ansprechend, also für mich und das hat mich bisher auch abgehalten... aber was du beschreibst macht mich extrem neugierig!
Vor vielen, vielen (!) Jahren wollte ich das ja auch mal machen: raus aus Deutschland und irgendwo mit dem Rucksack durch die Pampa oder Dschungel reisen, deshalb interessiert mich natürlich sehr die Erfahrung, die hier gemacht wurde, wie auch das ganze drumherum. Die Tiere, die Wälder, was hier passiert, auch wenn es schlimm ist, sollte man davor nicht die Augen verschließen.
Ich packe es jetzt auf jeden Fall mal auf meine Wunschliste!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
Löschenja, genau! Da ging es um Bücher aus Südamerika. :)
Bei dem Cover hatte ich sogar an einen Roman gedacht, doch durch den Klappentext und Rezensionen war mir dann klar, in welche Richtung es geht.
Für mich hat sich durch das Lesen tatsächlich eine komplett neue Welt bzw. Perspektive geöffnet. Ich fand es schon sehr heftig, was da in Bolivien bzw. in diesen Auffangstationen abgeht. Nicht, weil die Auffangstationen an sich schlimm sind, sondern, warum die Tiere überhaupt erst dort landen und wie das alles finanziert wird. Schön, dass es auf deine Wunschliste wandert. Das ist ein Thema, worüber es sich meiner Meinung nach nachzudenken lohnt.
Wirklich? Du wolltest mal ab in den Dschungel bzw. durch die Pampa? :D Es ist sicherlich eine Erfahrung, die einen für das Leben prägt. Ich verreise ja gerne und lerne andere Kulturen kennen, doch so eine typische Backpackerin, das wäre nie etwas für mich gewesen.
Liebe Grüße
Nicole
Ja, das wollte ich immer mal machen... dann kamen aber meine Kinder dazwischen und jetzt, naja, fühl ich mich irgendwie zu alt für diese ganzen Strapazen *lach* Ein Freund von mir meinte, das wäre kein Problem, denn Backpacker sind überall unterwegs und man kann sich da gut einer Gruppe anschließen, damit man nicht alleine unterwegs ist. Aber der Zug ist für mich abgefahren, im nächsten Leben dann :D
LöschenDas kann ich nachvollziehen. Auch wenn das Alter in Wirklichkeit keine Rolle spielt, gibt es doch Dinge, für die man sich einfach "zu alt" fühlt. Dafür hast du deine Kinder groß gekriegt und dir vermutlich manch anderen Traum bisher erfüllt.
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