Samstag, 17. Januar 2026

Rezension: Eisnebel - Kate Alice Marshall

Eisnebel - Kate Alice Marshall
© Piper
Eisnebel
| Kate Alice Marshall |

Verlag: Piper 2025

Seiten: 432
ISBN: 978-3492065641

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 



Hinter der winterlichen Fassade
 
Umgeben von tief verschneiten Wäldern liegt Idlewood, das abgeschiedene Winterrefugium der wohlhabenden Familie Dalton. Für Theodora soll der Aufenthalt der erste Schritt in ein neues Leben sein. Doch statt Offenheit schlägt ihr Ablehnung entgegen. Denn unheimliche Beobachtungen, bedrohliche Botschaften und verstörende Erinnerungen lassen Zweifel wachsen. Welche dunklen Wahrheiten liegen hier verborgen?

Ein abgelegenes Anwesen in den Bergen, Schnee, Stille und eine Familie, die lieber unter sich geblieben wäre. „Eisnebel“ hat mich vom ersten Moment an abgeholt. Der Thriller liest sich flüssig, atmosphärisch und ohne Umwege. Ich war sofort in der Geschichte drin.

Theo reist mit ihrem Verlobten Connor zu dessen Familie nach Idlewood. Es handelt sich um ein luxuriöses Winterdomizil mit mehreren Hütten, viel Natur und einer klar spürbaren Grenze, zwischen denen, die dazugehören, und jenen, die nur geduldet sind.. 

Connor ist der freundliche, wohlhabende Goldjunge. Er ist aufmerksam und fast schon makellos. Da kann man eindeutig nachvollziehen, dass seine Familie Theo skeptisch gegenübersteht. Die Beziehung der beiden hat sich irrsinnig schnell entwickelt, und diese Geschwindigkeit wirft Fragen auf, die im Raum stehen. 

Die Daltons sind alles andere als herzlich. Sie wirken nach außen kultiviert, doch das Misstrauen brodelt und verschafft sich über zynische Bemerkungen ein Ventil. Nähe ist selten ehrlich. Freundlichkeit wirkt berechnend. Theo wird geprüft, beobachtet und bewertet. 

Besonders gelungen fand ich, wie subtil Ausgrenzung und Anpassung verhandelt werden. Die gemeinsamen Aktivitäten wirken nach außen harmlos, haben aber oftmals etwas Unstimmiges. Theo bemüht sich, versucht, sich anzupassen, und hält durch. Dennoch ist sie ständig auf der Hut, denn sie ist alles andere als naiv. Zudem gerät sie mehrfach in Situationen, die alles andere als ungefährlich sind. 

Parallel dazu entfaltet sich ein Vergangenheitsstrang. Theos erste Lebensjahre sind wie ein schwarzer Bildschirm, auf dem manchmal eine Szene aufblitzt. Sie erinnert sich nicht daran. Danach folgt die Zeit bei ihren Pflegeeltern, die von Strenge, Kälte und religiösem Druck geprägt war.

In Idlewood legen bestimmte Orte, vage Erinnerungen und unausgesprochene Andeutungen nahe, dass Theo schon einmal hier gewesen sein muss. Das wirkt nicht gerade subtil, fügt sich aber stimmig in das Gesamtbild ein. 

Ich hatte während des Lesens immer das Gefühl, der Geschichte ein paar Schritte voraus zu sein. Der Plot ist interessant, aber recht geradlinig. Im Vergleich zu anderen Büchern von Kate Alice Marshall, die ich als deutlich ungewöhnlicher erlebt habe, bleibt „Eisnebel“ erzählerisch eher konventionell. Ich habe länger auf einen herben Bruch oder eine erstaunliche Wendung gewartet. 

Das Finish zieht arg an und schlittert mitten in eine familiäre Massenkarambolage aus Tötungs-, Todesarten und Bekenntnissen, sodass das Geschehen schon fast groteske Züge annimmt. Beim Lesen wirkte das weniger schockierend, sondern vielmehr erheiternd auf mich. 

Jedenfalls hatte ich durchgehend großen Lesespaß. Trotz der vielen Figuren kam ich gut zurecht, das winterliche Setting funktioniert hervorragend und die Geschichte entwickelt einen ordentlichen Sog, weil man unbedingt wissen will, wo Theo hier reingeraten ist.

Im Endeffekt ist „Eisnebel“ ein spannender, sehr gut geschriebener Thriller, mit einer starken Hauptfigur und einer überzeugenden Atmosphäre. Es hat mich gefesselt und war ein packendes Leseerlebnis. Ich hoffe auf weitere Bücher der Autorin.
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MEINE BEWERTUNG
★★★

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4 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    sehr schöne Rezi zu unserem gemeinsamen "Leseprojekt". Ja, die vielen Figuren haben mir zu Beginn ein klein bisschen Probleme bereitet, was ich sonst eigentlich nicht so kenne. Aber das gab sich ja Gott sei Dank wieder.

    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      danke schön. :) Für eine Leserunde war es wieder eine gute Wahl, weil wir so viel zum Spekulieren hatten. Bei mir hat es hier mit dem Figuren-Repertoire geklappt, obwohl ich schon eher zur Verwechslung neige, wenn's mir zu viele werden. Manchmal geht es gut, dann wieder nicht.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Huhu Nicole :D

    Das Buch klingt echt gut und eure Leserunde auch. Ich glaube, das hier wäre auch absolut mein Geschmack, mir gefällt es ja auch, wenn die Vergangenheit sehr subtil aufgearbeitet wird. Da muss ich mal die Augen offen halten!

    Vielen Dank fürs Vorstellen!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ich glaube fast, dass ist ein Buch für dich. :D Bestimmt findest du es früher oder später in einem Bücherschrank. Meist finden dich die Bücher ja.

      Liebe Grüße
      Nicole

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