Cover und Titel von „All Hallows Eve“ haben mich sofort an die Scary Book Season denken lassen. Bei den Hexenprozessen von Salem habe ich mir außerdem ein interessantes Thema erhofft. Also eigentlich genau die richtige Lektüre, um meine schaurigen Lesevorlieben gebührend zu zelebrieren.
Was für ein düsterer Ritt!
Alice Jacobs reist Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrer Tochter Abigail nach Salem. Ihr Ehemann, der als Wissenschaftler für Nachforschungen in die Stadt kam, ist unauffindbar. Nachdem die Ermittlungen der Polizei ins Leere liefen, nimmt Alice die Sache selbst in die Hand. Ausgerechnet All Hallows Eve, also an Halloween, erreichen Mutter und Tochter den unheimlichen Ort.
Dort werden sie von Anfang an mit allerhand Kuriositäten konfrontiert. Waisenkinder sollen evakuiert werden, auf dem Friedhof versuchen Kinder mit Kürbislaternen die Verstorbenen zu besänftigen und die Einwohner verbarrikadieren ihre Häuser. Denn über Salem liegt ein Fluch. Hundert Jahre nach den Hexenprozessen soll eine hingerichtete Frau zurückkehren und der Stadt aus Rache ihre Kinder nehmen.
Zum Glück glaubt Alice nicht an derlei Unfug. Zumindest so lange, bis Abigail verschwindet.
Damit beginnt Alices höllischer Ritt durch eine Nacht der dunkelsten Alpträume. Nur mit einem Nachthemd bekleidet irrt sie durch Salems Straßen und sucht nach Hilfe, während alle Türen verschlossen bleiben. Schließlich trifft sie auf einen Seefahrer, der ihr zumindest den Weg zur Verdammten weisen kann. Doch auch er stellt bald fest, dass dieses Geschehen für ihn persönlich geworden ist.
Von diesem Moment an gönnt Michael Penning weder Alice noch seiner Leserschaft besonders viel Ruhe. Dunkle Wälder, skelettierte Kinderhände, die aus der Erde greifen, Regen, Kälte und reichlich Blut begleiten die Suche. Alice wird ordentlich durchgebeutelt und kämpft sich trotzdem immer weiter durch eine Nacht, die mit jedem Schritt tiefer ins Grauen führt.
Äußerst gefallen hat mir, dass Penning diesen Höllentrip mit der Historie Salems verbindet. Alice bekommt einen Eindruck davon, was den vermeintlichen Hexen ein Jahrhundert zuvor widerfahren ist. Der Autor beschreibt anschaulich ihre Unterbringung in den Kerkern, die Behandlung der Gefangenen und die haarsträubenden Anschuldigungen, gegen die sie sich kaum zur Wehr setzen konnten.
Dadurch bekommt die abgefahrene Gruselgeschichte einen bitteren Untergrund. Hinter Hexen, Flüchen und rachsüchtigen Geistern steckt reales Unrecht. Penning arbeitet die Hexenprozesse nicht trocken historisch auf, sondern lässt ihre Grausamkeit unmittelbar in seine Handlung hineinwirken.
Alices Weg ist von Schmerzen, Pein, brutalen Kämpfen, spritzendem Blut und unheimlichen Begegnungen geprägt. Rastlos bewegt man sich mit ihr von einem schaurigen Schauplatz zum nächsten und hofft, dass sie ihre Tochter findet und den aus unstillbarer Vergeltung geborenen Bann durchbrechen kann.
Währenddessen bekommt der Rest von Salem seinen Anteil am Grauen ab. Manche Szenen haben sich mir regelrecht eingebrannt. Allein wenn ich an den Leuchtturmwärter denke, dem die Panik siedend heiß durch die Haut gefahren ist. Oder an die Vorkommnisse im Fort, wo die Waisenkinder eigentlich in Sicherheit gebracht werden sollten.
„All Hallows Eve“ war für mich eine wahnsinnig eindringliche, abgefahrene und mitreißende Geschichte. Michael Penning verbindet die Hexenprozesse von Salem mit einer wilden Horrornacht, die kaum Luft holt und seine Hauptfigur von einem Alptraum in den nächsten jagt.
Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenBei dem Cover hab ich tatsächlich eine etwas "seichtere" Horrorgeschichte erwartet muss ich zugeben, wie schön dass es dann doch so spannend war! Das klingt ja richtig gruselig und voll von unheimlichen Abenteuern. Das muss ich mir wohl dann für nächstes Jahr vormerken :D
Liebste Grüße, Aleshanee
Das solltest du liebe Aleshanee! Passt wirklich perfekt!
LöschenLiebe Nicole,
AntwortenLöschendeine Rezi ist wirklich klasse geworden! Ich muss sagen, ich habe es gar nicht soo gruselig empfunden, wie du schreibst =) Aber es passt wirklich perfekt in die Halloweennacht oder eben die Tage davor und es war wirklich spannend geschrieben mit viel Emotionen. Der Gruselwald war schon sehr beängstigend.
Liebe Grüße
Martina