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| © DAV |
| Clémence Michallon |
Verlag: DAV 2026
Dauer: 9 h : 48 min
Dauer: 9 h : 48 min
ASIN: B0GCD3HMT6
Sprecher: Julia Nachtmann
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Brütende Wüste & auftauende Zweifel
Sprecher: Julia Nachtmann
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Die Geschwister Frida und Gabriel genießen einen ruhigen Urlaub, bis eine junge Frau ermordet wird. Nicht zum ersten Mal gerät Gabriel unter Mordverdacht, was mittlerweile auch seine Schwester zweifeln lässt.
Ein abgelegenes luxuriöses Hotel mitten in der Wüste, brütende Hitze, absolute Abgeschiedenheit und dann eine Leiche. Bei diesem Setting freut sich die sonnenhungrige Thrillerseele.
Frida und Gabriel reisen gemeinsam in dieses Resort, um abzuschalten und Zeit miteinander zu verbringen. Kaum angekommen, ist es vorbei mit der Ruhe. Eine junge Frau wird tot aufgefunden, und ziemlich schnell gerät Gabriel ins Visier der Ermittlungen. Mit diesem Verdacht wächst auch bei Frida der leise, unangenehme Zweifel, ob ihr Bruder ihr wirklich alles erzählt.
Richtig überrumpelt hat mich der Aufbau rund um die Vergangenheit der beiden. Denn Frida und Gabriel sind in einer Sekte aufgewachsen. Dieser Teil wird nicht einfach zwischendurch eingestreut, sondern bekommt ganz bewusst Raum in eigenen Kapiteln. Immer wieder kehrt die Geschichte dorthin zurück. In der Gegenwart sind es oft kleine, fast unscheinbare Momente, die diese Erinnerungen auslösen. Gesten oder Verhaltensweisen. Zum Beispiel, dass die Geschwister selbstverständlich aus derselben Flasche trinken, weil zwei Flaschen für sie Verschwendung wären. Solche Details wirken eingangs nebensächlich, öffnen aber direkt die Tür zur Vergangenheit.
Während der Mordfall im Resort die äußere Spannung liefert, entsteht die eigentliche Tiefe in diesen Kapiteln aus der Kindheit und Jugend der beiden. Ich habe mich dabei oftmals gefragt, wie die Geschwister es überhaupt geschafft haben, sich in der „normalen“ Welt zurechtzufinden. Und auch, welche Spuren diese „Familie“ bis heute hinterlassen hat.
Frida mochte ich als Figur eigentlich ziemlich gern, auch wenn sie nicht sofort alles von sich preisgibt. Sie erzählt ruhig und zieht ihr Tempo durch, was einen stellenweise etwas auf Distanz hält, aber irgendwie auch gut zu ihr passt. Man merkt ihr an, dass sie vieles noch für sich sortieren muss, sowohl die Gegenwart als auch ihre Vergangenheit. Ihr Zögern und dieses vorsichtige Abwägen fand ich stimmig.
Sehr interessant war, wie sich durch die Vergangenheitsstränge nach und nach der Blick auf den Mordfall verändert. Die Perspektiven verschieben sich, mögliche Motive entstehen oder zerfallen, und Verdächtige erscheinen plötzlich in einem ganz neuen Licht. Zwischendurch war ich absolut überzeugt, zu wissen, wer der:die Täter:in ist. Ich lag komplett daneben.
Ja, dann ist da das Thema mit der Sekte, das eigentlich absolut nicht meins ist und das mich hinterrücks überfallen hat. Ich greife äußerst ungern zu Büchern, die sich damit beschäftigen. Deshalb hatte ich kurz die Befürchtung, dass ich damit gar nichts anfangen kann. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Autorin Clémence Michallon hat es ruhig, durchdacht und unaufgeregt eingebaut, sodass es auf mich nie abschreckend wirkte. Stattdessen wurde es zu dem Element, das den Thriller für mich erst wirklich besonders und interessant gemacht hat.
Das Finale hat dann nochmal einiges rausgeholt. Es gab mehrere Wendungen, die mich wirklich überrascht haben und die sich gleichzeitig stimmig anfühlten. Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob ich einfach zu blauäugig war oder ob das Buch mich bewusst in Sicherheit gewiegt hat. Wahrscheinlich ein bisschen von beidem.
Meiner Meinung nach ist „Our Last Resort“ mehr als ein herkömmlicher Urlaubs-Thriller. Die Verbindung aus Mordfall und dieser ungewöhnlichen Vergangenheit hebt das Buch deutlich ab. Die Geschichte hat mich insgesamt sehr gut unterhalten. Vor allem das für mich untypische Thema wurde außerordentlich nuanciert eingebunden, was mir garantiert positiv im Gedächtnis bleiben wird.
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Hallo Nicole,
AntwortenLöschensonnenhungrige Thrillerseele gefällt mir gut.
Ich lese aktuell auch wieder häuiger Thriller, bevorzugt tatsächlich welche mit Handlungsorten, die Urlaubsgefühle wecken - Fantasyromane tun das ja doch eher selten.
Hier finde ich den Sektenaspekt sehr spannend, daher behalte ich das Buch auf jeden Fall mal im Kopf.
Lieben Gruß
Anja
Hallo Anja,
LöschenUrlaubsorte in Thriller mag ich auch sehr gern. Zwar sind die dann meist weniger hart in der Umsetzung, aber da habe ich gar keine so hohen Ansprüche. Die dürfen ruhig etwas leichter und unterhaltsamer sein.
Das mit der Sekte war wirklich total interessant. Normalerweise mag ich das Thema überhaupt nicht. Hätte ich es im Klappentext aufgeschnappt, dann hätte ich das Buch sicher nicht gelesen bzw. gehört. Es war aber dann doch eine gute Wahl.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
AntwortenLöschendas klingt nach außergewöhnlicher, spannender Lektüre! Ich hab mich jetzt gleich ein wenig von deiner Begeisterung anstecken lassen und den Thriller auf meine Leseliste gepackt. Denn langsam erwacht auch meine sonnenhungrige Thrillerseele wieder aus dem Winterschlaf... :-)
Liebe Grüße!
Nana
Hallo Nana,
Löschendas freut mich, dass auch deine sonnenhungrige Seele langsam munter wird. :D Bin gespannt, ob du es liest und wie es dir letztendlich gefällt.
Liebe Grüße
Nicole