Sonntag, 19. Juli 2026

Rezension: Killer Trail - Eliza Jabore

Killer Trail - Eliza Jabore
© Aufbau Verlag
Killer Trail
| Eliza Jabore |

Verlag: Aufbau 2026
Seiten: 285
ISBN: 978-3746643045

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Unterwegs am Killer Trail

Ein gemeinsamer Wanderausflug führt Jade und ihre beiden Freundinnen auf den berüchtigten Bones Hollow Trail, an dem einst ein Serienkiller sein Unwesen trieb. Nach einem Unfall sind sie auf die Hilfe eines geheimnisvollen Einsiedlers angewiesen, wodurch die Ereignisse schon bald aus dem Ruder geraten.

Drei Freundinnen, ein abgelegener Wanderweg und die düstere Geschichte eines Serienkillers. Damit klingt "Killer Trail" für mich nach einem Thriller ganz nach meinem Geschmack. Ich dachte dabei an tiefe Wälder, eine langsam eskalierende Situation und eine drückende Atmosphäre. Ganz erfüllt wurden diese Erwartungen zwar nicht, trotzdem konnte mich der Roman am Ende noch überraschen.

Jade, Zoe und Stef unternehmen jedes Jahr gemeinsam eine Reise. Eine schöne Tradition, die ihre Freundschaft seit der Jugend hinweg zusammengehalten hat. 

Diesen Gedanken mochte ich, weil er zeigt, wie selten solche langjährigen Freundschaften mittlerweile geworden sind. Doch je mehr Zeit ich mit den drei Frauen verbracht habe, desto mehr stellte ich mir die Frage, weshalb sie überhaupt miteinander unterwegs sind.

Erzählt wird die Geschichte aus Jades Sicht. Sie wirkte für mich von Anfang an wie das fünfte Rad am Wagen. Der Umgangston zwischen den Frauen war oft schnippisch, getarnt unter neckenden Andeutungen. Statt Zusammenhalt dominieren Misstrauen und unterschwellige Sticheleien. Dadurch fühlte sich diese Gruppe nicht wie enge Freundinnen an. Letztendlich geht es im gesamten Thriller weniger um einen Serienkiller als vielmehr um giftige Freundschaften, wobei Manipulation und Loyalität thematisiert werden.

Etwas enttäuscht war ich vom Spannungsaufbau. Ich hatte gehofft, dass man die drei ein Stück auf der Wanderung begleitet, die Natur genießt und sich langsam ein ungutes Gefühl einschleicht. Stattdessen geht es ziemlich fix und die Action fängt relativ früh an. Dadurch bleibt kein Raum, die bedrückende Atmosphäre des Waldes oder die Einsamkeit des Bones Hollow Trails aufzusaugen. Das Setting hätte meinem Geschmack nach intensiver genutzt werden können.

Die eigentliche Handlung des Thrillers war nicht so ganz nach meinem Gusto. Vieles entwickelt sich in eine Richtung, die relativ früh vorhersehbar ist. Dadurch verlor der Handlungsstrang rund um den Serienkiller meiner Meinung nach einen Teil seiner Spannung. Hinzu kam, dass sich die Frauen häufig sehr übermütig und unvernünftig verhalten, dass ich oft den Kopf schütteln musste. Manches Mal provozieren sie weitere Eskalationen und wirken dabei eher wie trotzige Teenager als wie erwachsene Frauen.  

Obwohl meine Ausführungen sich wahrscheinlich wenig begeistert lesen, war es ein gut geschriebenes Buch mit dem Handlungsschwerpunkt auf der zwischenmenschlichen Ebene der Freundinnen.  

Aufgewertet wurde der Roman außerdem durch das kompromisslose Finale. Eliza Jabore zieht ihre Geschichte konsequent durch. Besonders die letzte Entwicklung fand ich überraschend hart und mutig. Die Autorin ist eindeutig bereit, unangenehme Entscheidungen treffen. 

"Killer Trail" war kein Serien-Killer-Thriller par excellence, sondern vielmehr ein Buch über toxische Freundschaften mit einer ordentlichen Portion Action und ein bisschen Blut. Leser:innen, die auf eine packende Waldkulisse hoffen, dürften, wie ich, etwas enttäuscht werden. Dennoch hat die Autorin trotz meiner fehlgeleiteten Erwartungshaltung einiges rausgeholt.
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MEINE BEWERTUNG
★★★

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6 Kommentare:

  1. Hallo liebe Nicole,
    du hast in deiner Rezension klar geschildert, mit welchen Erwartungen man an das Buch rangehen sollte. Ich finde es schade, dass deine eigenen Erwartungen hier nicht erfüllt wurden. Erwartungen, die ich durchaus nachvollziehen kann. Mit deinen Worten hilft du anderen Lesern dabei Enttäuschungen im Vorfeld zu vermeiden. Eine wirklich gute und hilfreiche Rezension!

    Das Thema toxische Freundschaften finde ich prinzipiell spannend. Ich würde bei langjährigen Freundschaften aber eigentlich auch darauf zählen, dass man sich gegenseitig vertraut, dass man ehrlich und gut zueinander ist. So eine Freundschaft, wie oben beschrieben, würde bei mir vermutlich nicht auf Dauer existieren können/dürfen. Aber gerade dieser Punkt trägt natürlich auch zu Konflikten für die Geschichte bei. Schade jedoch, dass dem Setting und dem Serienkiller dadurch etwas die "Show gestohlen" wurde.

    Neugierig hast du mich aber auch noch mit einem weiteren Punkt gemacht. Nämlich dem, dass die Autorin knallhart ihre Story durchzieht. Da würde man am Liebsten die Geschichte gleich lesen. Das spricht mich an.

    Ich danke dir für diese ausführliche und vor allem auch hilfreiche Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo Tina,

      ganz vielen Dank für deine lieben Worte zu meiner Rezension. Das freut mich sehr.

      Allgemein tue ich mir mit dem Thema toxische Freundschaften schwer, wenn es um Erwachsene geht. Da frage ich mich halt oft, ob manche Menschen keine Selbstachtung haben oder nicht sehen, wie schlecht sie von "ihren" Freunden behandelt werden. Und ja, es gibt der Handlung die Richtung und bietet sehr viel Entwicklungspotential. Besonders für das wirklich gute Ende war diese Schwerpunktsetzung essentiell. Daher ist es insgesamt ein guter Thriller. Nur war es nicht das, was ich mir gewünscht hätte.

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Schönen guten Morgen!

      Jetzt muss ich mich kurz einklinken, weil ich eure Kommentare gelesen habe :) @Nicole: bei toxischen Freundschaften/Beziehungen schüttelt man als Außenstehender oft den Kopf, aber es ist halt so, wenn man drinsteckt, sieht man es oft nicht.
      "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" passt da sehr schön, auch betriebsblind passt da sehr gut ;)
      Man gewöhnt sich an vieles und hat alte, gewohnte Verhaltensmuster, die lassen sich nicht so leicht abstreifen oder wegdenken. Ich sehe das in meinem Umfeld sehr oft und natürlich auch bei Paaren, nicht nur bei Freundschaften. Wie viele Paare leben unglücklich zusammen?
      Es ist traurig, aber wahr, das die Selbstreflexion leider oft nicht stattfindet. Ich nehme mich da nicht aus, aber ich arbeite ja zumindest dran :)
      Man weiß nie, was andere Menschen alles erlebt haben und aus ihrer Vergangenheit mit sich herumschleppen, warum sie dies oder das sagen oder so handeln, wie sie es eben tun. Da kann man sich nur zuwenden und beistehen - oder abwenden und sich um sich selbst kümmern.

      So, ich muss sowas immer loswerden, wenn ich solche Gedanken habe. Das hab ich auch in den letzten Jahren gelernt ;)

      Zu deiner Rezension: Ich kenne das auch sehr gut, wenn ich bestimmte Erwartungen habe und dann kommt alles ganz anders. Das kann trotzdem super funktionieren oder komplett nach hinten losgehen.
      Auch wenn es wirklich recht negativ durchklingt scheint es dich trotzdem gut unterhalten zu haben. Mich macht es ja jetzt schon neugierig, denn ich finde toxische Freundschaften schon spannend. Gerade zu sehen, wie sie sind, warum und das zu hinterfragen und aufzuschlüsseln... das hilft (mir) im realen Leben mit anderen Menschen besser umzugehen.
      Wenn man den ganzen Tag mit Kunden zu tun hat, sieht man alle "Sorten" von Menschen mit all ihren Befindlichkeiten und ja, manchmal möchte man wirklich nur den Kopf schütteln weil man gar nicht glauben kann, dass es sowas gibt *lach* Aber diese Menschen sind ja nicht so geboren, sie schleppen auch ihr Gepäck mit sich herum. Und ich muss sie ja nicht heiraten, aber ich möchte sie auch nicht verurteilen. Einfach weil ich selbst nicht so ein Mensch sein will.

      Das Thema scheint doch etwas in mir auszulösen da ich hierzu so einen Redebedarf habe :D Deswegen hör ich jetzt auf und mach mich fertig, ich muss gleich los in die Arbeit ^^

      Ich wünsch dir einen schönen Tag!

      Liebe Grüße, Aleshanee

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    3. Hallo Aleshanee,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde es immer schön und spannend, wenn Bücher Gedanken und Gespräche auslösen.

      Ich glaube, ich habe mich im vorigen Kommentar nicht ganz eindeutig ausgedrückt. Meine Anmerkung war tatsächlich auf Bücher und Figuren bezogen und nicht auf toxische Freundschaften oder Beziehungen im echten Leben. Da stimme ich dir absolut zu. Als Außenstehender sieht vieles offensichtlich aus, doch wenn man selbst betroffen ist, ist man darin irgendwie gefangen. Das ist ein sehr komplexes Thema.

      Was mich in Bücher bei diesem Thema stört, sind manchmal die Figuren selbst und wenn der "Freundschaft" der Nährboden fehlt. Also, die Komplexität des Themas wird gar nicht berücksichtigt. Bei diesem Thriller ist es so, dass sie zwar längst erwachsen sind, keinen verbindenden Alltag teilen und trotzdem im Verhalten in der Jugend stecken geblieben sind. Mir hat der Sprung vom Teenie zur erwachsenen Frau gefehlt. Hier kann ich jetzt gar nicht viel dazu sagen, weil ich sonst ganz arg spoilern würde. Und das ist mir schon in anderen Büchern aufgefallen, dass zwar toxische Freundschaften die Handlung durchfluten, dabei aber nicht auf ein erwachsenes, und damit noch gefährlicheres, Niveau gehoben werden.

      Mir ging es gar nicht darum, dass Menschen in der Realität einfach aus solchen Beziehungen aussteigen können, so einfach ist das sicher nicht.

      Ich freue mich jedenfalls über solche Gedankenaustausche und hoffe, dass du einen angenehmen Arbeitstag hattest.

      Liebe Grüße
      Nicole

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    4. Ah okay :) Ich muss gestehen, dass ich in Büchern noch gar nicht so oft toxische Freundschaften hatte ... also nicht wo das so fixiert darauf war.
      Das einzige Buch, dass das Thema im Fokus hatte war "Dunkelgrün fast schwarz" von Mareike Fallwickl - und das fand ich echt gut! Soweit ich mich erinnere war die Freundschaft auch von Anfang an skizziert in Rückblicken bis ins Erwachsenen Alter.

      Aber auch bei "Schweig!" von Judith Merchant, da geht es um zwei Schwestern... holla, das fand ich mega! Extrem toxische Beziehung zwischen den beiden! Und extrem spannend!

      Wenn der Hintergrund fehlt ist es natürlich schon etwas doof. Man muss ja irgendwas haben, was war und warum das so oder so daraus geworden ist. Allerdings ist es manchmal auch von Anfang an toxisch weil die ganze Beziehung, ob freundschaftlich oder familiär oder egal wie, auf Abhängigkeiten beruhte oder falschen Vorstellungen usw. Das Feld ist riesig :)

      Dass es hier im Buch nicht so intensiv rüberkommt obwohl es ja schon wichtig ist, ist schade. Jetzt weiß ich nicht so recht ob es mich reizt oder nicht *lach*

      Und ja, mein Arbeitstag war schon okay ;) Noch morgen und Freitag, dann hab ich tatsächlich endlich Urlaub. Richtigen Urlaub, denn bisher ist mir im Urlaub dieses Jahr immer was anderes dazwischen gekommen ^^

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    5. Nein, das ist mir schon ein paar Mal begegnet. Bei "Killer Trail" dient das Thema um der Thriller-Handlung einzuheizen, denke ich mal. Also, es wird, in meinen Augen, nicht aufgearbeitet, sondern eben "nur" als Mittel zum Zweck verwendet.

      Von "Schweig!" war ich ja auch so begeistert und darin wird das Komplexe auf der Beziehungsebene ja richtig herausgearbeitet. Das ist bei "Killer Trail" nicht der Fall. Trotzdem ist das Buch gut. Total vorhersehbar, ausgenommen das Ende, und trotzdem irgendwie gut. Man kriegt ganz was anderes als erwartet. Vielleicht magst du es wirklich mal lesen? Es hat ja gar nicht so viel Seiten. Ich wäre hier sehr auf deine Meinung dazu gespannt.

      Das freut mich für dich, dass der Urlaub in Sicht ist und diesmal richtig genutzt werden wird! :)

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