Montag, 16. Februar 2026

Rezension: Die Kolonie - C. J. Tudor

Die Kolonie - C. J. Tudor
© Goldmann
Die Kolonie
| C. J. Tudor |

Verlag: Goldmann 2025
Seiten: 480
ISBN: 978-3442206513

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Kriminalistischer Vampir-Thriller 

Ein rätselhaftes Verbrechen in der Wildnis Alaskas konfrontiert Detective Barbara Atkins mit den Schatten einer längst vergangenen Tat. Während die Anwohner eine Vampir-Kolonie beschuldigen, sucht die Ermittlerin in einem Geflecht aus Lügen nach handfesten Beweisen. Doch die Zeit drängt darauf, die wahre Natur des Täters zu entlarven. 

C. J. Tudor gehört für mich schon länger zu den Autorinnen, deren Neuerscheinungen ich mit großer Vorfreude entgegenblicke. Mit ihrem Werk „Die Kolonie“ entführt sie uns in ein frostiges Alaska, das sich als Schauplatz für einen ganz besonderen Kriminalfall entpuppt. Das Ungewöhnliche an diesem Thriller ist die Tatsache, dass Vampire in dieser Welt real sind. Sie existieren als gesellschaftliche Randgruppe, leben in abgeschiedenen Kolonien und haben eigene Rechte. Dennoch fühlt sich die Geschichte wie ein klassischer, sehr atmosphärischer Kleinstadtthriller an.

Der Erzählstil hat mich von der ersten Seite an gepackt. Es fühlte sich an, als würde man regelrecht in die Handlung hineingezogen und von der frostigen Welt des Buches ummantelt werden. Der Ort Deadhart macht seinem Namen alle Ehre. Ich habe mir Alaska genau so vorgestellt, einsam und trist. Die Menschen wirken oft perspektivlos und in dieser Einöde gefangen, was eine merkliche Wut auf das Leben spürbar macht. Inmitten dieser Stimmung wird ein Junge grausam ermordet aufgefunden und der Verdacht fällt natürlich sofort auf die nahegelegene Vampirkolonie.

Besonders gefreut habe ich mich über die Protagonistin Barbara Atkins. Sie ist keine junge „Über-Drüber-Ermittlerin“, sondern eine gestandene Frau in den Fünfzigern, die ihre Arbeit mit einer bewundernswerten Akribie erledigt. Ich mochte es sehr, wie man als Leser:in an ihren Gedanken teilnimmt und miterlebt, wie sie sich selbst diszipliniert oder souverän auf übergriffige Fragen reagiert.

An ihrer Seite steht Sheriff Tucker, bei dem ich lange Zeit nicht sicher war, woran ich eigentlich bin. Die Dynamik zwischen den beiden ist spannend, da sie aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten kommen, aber in ihrem Instinkt für Ungereimtheiten ähnlich ticken. 

Die Charakterriege in Deadhart ist vielschichtig. Da ist die sympathische Rita, die in brenzligen Situationen für Harmonie sorgt, während andere, wie die hasserfüllte Reverend Grey, die Stimmung anheizen. Fast jeder in diesem Ort scheint Dreck am Stecken zu haben, was es mir zeitweise gar nicht so leicht gemacht hat, alle Figuren und ihre Geheimnisse auseinanderzuhalten. Ich musste mich beim Lesen wirklich konzentrieren, um das Geflecht aus Lügen und Schmuggel zu durchschauen.

Die Darstellung der Vampire fand ich faszinierend. Tudor zeichnet sie nicht als glitzernde Wesen, sondern als eine Gruppe mit eigener Geschichte, Alterungsprozessen und strengen Regeln. Interessant waren die Perspektivwechsel zu einer eingesperrten Vampirin, die über Jahrzehnte in einem Keller festsitzt. Diese Passagen haben bei mir viele Fragen aufgeworfen. Wer ist sie und wer hat ihr das angetan?

Interessant hätte ich gefunden, allgemein mehr über das Leben in der Vampir-Kolonie zu erfahren, da die Handlung eng an den Ermittlungen und am Stadtgeschehen bleibt. Vermutlich wäre das Werk dann zu umfangreich und vielleicht sogar zu langatmig geworden.

„Die Kolonie“ ist für mich ein gelungenes Buch und ein interessantes Gemisch aus Krimi und Mystery. Die Autorin schafft es hervorragend, die Fragen der Leser:innen zu häufen, genau wie es bei einer echten Ermittlung wohl auch der Fall wäre. Eine Antwort führt oft direkt zur nächsten Frage. Am Ende werden aber fast alle davon zufriedenstellend beantwortet, auch wenn es sich ordentlich überschlägt und sich eine Menge Informationen im letzten Abschnitt sammeln. 

Die Themen rund um Rassismus und Ausgrenzung sind dicht und vielschichtig in die Handlung eingewoben. Der geschmeidige Erzählstil hat dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, weil der Drang, hinter die Geheimnisse von Deadhart zu kommen, immer größer wurde. Wer Lust auf eine verzweigte Geschichte mit facettenreichen Charakteren und einer frostigen Vampir-Atmosphäre hat, sollte definitiv zugreifen.
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MEINE BEWERTUNG
★★★

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