Spukhaus-Romane lese ich wirklich sehr, sehr gern. Ich mag es, wenn ein altes Haus nicht einfach nur ein bisschen knarrt und irgendwo eine Tür von selbst zufällt, sondern wenn sich hinter dem Spuk eine Geschichte verbirgt. Das hat Simone St. James mit "Das Geheimnis von Wych Elm House" wunderbar hingekriegt.
In diesem Roman steckt um einiges mehr drin als die typische Geistergeschichte, denn er beinhaltet historische Elemente, Krimi, Mystery, Familiengeheimnisse, ein bisschen Spionage, Liebe sowie Humor und natürlich sind auch Geister dabei. Die Mischung hat mir richtig gut gefallen.
Wir sind in England, Anfang der 1920er-Jahre. Jo Manders hat ihren Mann Alex im Ersten Weltkrieg verloren, obwohl niemand genau weiß, was mit ihm geschehen ist. Wie viele Frauen, hat Jo keine Gewissheit und gilt nicht offiziell als verwitwet. Ein ziemlich großes Problem. Solange nicht bewiesen ist, dass Alex gefallen ist, bekommt sie weder eine Witwenpension noch kann sie wieder heiraten.
Damit ist Jo eine dieser "unechten" Kriegswitwen. Diesen historischen Hintergrund fand ich ausgesprochen interessant. Frauen, deren Männer nicht aus dem Krieg zurückkehrten, standen teilweise vor dem finanziellen Ruin. Sie galten weder als Witwen noch konnten sie ein neues Leben beginnen. Außerdem waren die beruflichen Möglichkeiten für Frauen damals sehr überschaubar, was die Bredouille weiter verschärfte.
Jo hat zumindest eine Tante Dottie. Dottie ist die Tante ihres verstorbenen Mannes und stellt Jo als Gesellschafterin beziehungsweise Sekretärin ein. Sie reist mit ihr in das Familienanwesen Wych Elm House, wo eine verwunderte Jo schnell feststellt, dass sie über Alex' Vergangenheit gar nichts weiß. Sie kennt ihren Mann kaum.
Je länger Jo auf Wych Elm House ist, desto mehr Geschichten hört sie über Alex, die so gar nicht zu dem Mann passen wollen, den sie in ihren Erinnerungen vor sich hat. Immer wieder denkt sie an die gemeinsame Zeit zurück und beschwört die glücklicheren Tage ihrer Ehe herauf, wobei sie jedes Detail kritisch betrachtet. Wen hat sie eigentlich geheiratet?
Als Jo auch noch Dotties verstorbene Tochter sieht, wird es richtig interessant. Denn die junge Frances ist bereits vor Jahren ums Leben gekommen. Damit ist der Spuk eröffnet.
Wirklich gruselig fand ich "Das Geheimnis von Wych Elm House" nicht, trotzdem hatte ich großen Spaß an den unheimlichen Szenen. Die Autorin versteht es, ihnen die richtige Stimmung zu verleihen.
Insgesamt ist es gar nicht so einfach, diesen Roman in eine Schublade zu stecken. Da ist die Geistergeschichte, die sich durch das alte Anwesen zieht. Dann entwickelt sich eine Krimihandlung, ergänzt durch Ereignisse während des Ersten Weltkriegs, die zweitweise beinahe in Richtung Spionagethriller gehen. Hinzu kommen eine ziemlich abgefahrene Familiengeschichte, romantische Verwicklungen und zwei Frauen, die ganz offensichtlich nicht vorhaben, sich von den Männern ihrer Zeit etwas vorschreiben zu lassen.
Jo und Dottie haben mir besonders gut gefallen. Beide sind auf ihre Art emanzipiert, ohne aufgesetzt zu wirken. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass die Welt nicht darauf wartet, Frauen eine Stimme zu geben. Sie reden einfach. Unterstrichen wird das Geschehen durch einen herrlich trockenen Humor, der durch die gesamte Geschichte blitzt.
Die Autorin erzählt in einem lockeren, beinahe plaudernden Ton. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mit Jo gemeinsam durch Wych Elm House zu spazieren, um mir anzusehen, was da eigentlich vor sich geht. Zugleich gelingt es ihr, den unheimlichem Momenten die richtige Atmosphäre zu geben.
Gelungen fand ich auch, wie selbstverständlich ernstere Themen, wie die Situation der "unechten" Kriegswitwen, in die Geschichte eingebaut wurden. Durch Jo bekommt die prekäre Situation all dieser Frauen ein Gesicht.
Mit dem Spionageanteil kommt etwas Tempo und Action hinein. Dabei werden die Verwicklungen immer dreister und die Handlung nimmt dadurch ordentlich Fahrt auf. Für meinen Geschmack hätte es zwar ruhig ein bisschen mehr Spuk geben dürfen, trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht.
Hey Nicole,
AntwortenLöschenuh, das klingt wirklich gut. Danke für Deine Rezension!
Ganz anderes Thema: Marc hat den 22.11.2026 als Startdatum für unsere Leserunde zum dritten Band zum "Talisman" bestätigt. Ich werde dann zu gegebener Zeit alles vorbereiten.
Liebe Grüße Melli
Hallo Melli,
Löschenja, das war eine Überraschung! Und trotz der schweren Themen eine herrlich unterhaltsame und flotte Lektüre.
Danke schön. Ich habe mir den 22.11. notiert. Dann hoffen wir mal, das King im Alleingang vielleicht ein bisschen flotter erzählt. :D
Liebe Grüße
Nicole
Ihr Lieben, ich stehe gerade total auf dem Schlauch.
LöschenBand 3 "Der Talisman".
Ist "der Talisman" nicht Band 1. "Das schwarze Haus" Band 2. Und was kommt dann?
Habe mich gerade dumm und dusselig gegoogelt.
HILFE!!! :D
Ha "Andere als diese Welten".. soeben bei den Neuzugängen von Aleshanee entdeckt.
LöschenFehlt mir auch, aber weiß nicht, ob ich da nach so vielen Jahren reinkommen würde.
Hallo Andrea,
Löschenwunderbar, dass es sich aufgeklärt hat. :D Genau, "Andere als diese Welten" ist der dritte Band um Jack Saywer. Marc ist auch bei der Leserunde dabei. Er hat das alles sozusagen eingefädelt und uns ein bisschen motiviert. Gelesen wird bei Melli, weitere Infos folgen und ich werde es dann auch in der Leserunden-Gruppe posten.
Liebe Grüße
Nicole
Hallo Nicole!
AntwortenLöschenMir kam der Autorinnen Name jetzt irgendwie bekannt vor und tatsächlich: Ich hab Die schwarze Frau von ihr gelesen. Das ist schon länger her, aber das fand ich damals echt gut!
Dass du dieses hier so toll bewertest macht mich neugierig! Auch die ganzen Umstände um die Familie und das Haus klingen echt spannend. Witzig dass wir hier wieder in den 20er Jahren sind :D Mir scheint ich muss doch mal etwas mehr Geschichten aus dieser Zeit lesen xD
Kommt auf jeden Fall mal auf die Wunschliste!
Hab auch gesehen, die Autorin hat ja noch mehr in dieser Richtung geschrieben. Bisher hatte ich mich da null informiert.
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
Löschendas Buch ist für mich so eine perfekte Mischung aus Ernsthaftigkeit, ein bisschen schwarzen Humor, Geschichte und Schauerstimmung. Es hat runderhum Spaß gemacht. Ich hoffe, dass du es nicht als zu "leicht" empfindest. Ein bisschen Romantik gibt es auch, doch die ist sehr dezent und auch recht schwarzhumorig gestaltet.
Ja, genau. "Die schwarze Frau" ist ebenfalls von ihr. Das mochte ich auch. Mittlerweile sind einige Bücher von Simone St. James bei Festa erschienen. Manche davon brennen bei mir die Wunschliste durch, wie so viele andere Titel auch. Aber eben eins nach dem anderen. Als Hörbuch habe ich vor längerer Zeit schon "Der Geist von Maddy Clare" gehört. Das war mir tatsächlich zu leicht und zu romantisch.
Mir ist kürzlich auch aufgefallen, dass ich in letzter Zeit richtig viel in den 1920er-Jahren unterwegs bin. Dabei ist das überhaupt keine bewusste Entscheidung, sondern passiert einfach.
Liebe Grüße
Nicole
Nach der tollen Rezension, landet dieses Buch wohl noch auf meiner Hörliste. Habe es neulich als HB entdeckt. Ich bin gespannt, was da auf mich wartet :)
AntwortenLöschenLG Andrea
Mir hat's unheimlich gut gefallen. Da war so viel drin, Abenteuer-Charme, historischer Flair, ein bisschen Grusel und flotte Dialoge. Bin ich gespannt, was du dann dazu sagen wirst.
LöschenLiebe Grüße
Nicole