Donnerstag, 17. September 2026

Rezension: Im Dschungel - Jeremy Bates

Rezension
Im Dschungel
Jeremy Bates
Meine Bewertung
★★★☆☆
Verlag · Luzifer · 2024
Seiten · 306
ISBN · 978-3958358362
Filmreifer Ausflug in die grüne Hölle
Um ihre Ehe zu retten, reisen die Schauspielerin Scarlett Cox und ihr Mann Salvador nach Afrika. Doch aus dem erhofften Neuanfang wird schnell ein Albtraum. Nach einem Terroranschlag geraten die beiden in die Hände von Entführern und werden in den Kongo verschleppt.

Jeremy Bates schickt seine Leser diesmal in den Kongo und damit an einen weiteren realen Schauplatz, der genügend Stoff für Angst und Schrecken bereithält. „Im Dschungel“ gehört zur Reihe „Die beängstigendsten Orte der Welt“, deren Bände jeweils eine eigenständige Geschichte erzählen und unabhängig voneinander gelesen werden können. Mittlerweile habe ich alle bislang erschienenen Teile gelesen. Der Ausflug in die grüne Hölle gehört für mich jedoch zu den schwächeren Veröffentlichungen der Reihe.

Dabei hat die Geschichte durchaus einiges zu bieten. Die amerikanische Schauspielerin Scarlett Cox reist mit ihrem Ehemann Salvador Brazza nach Afrika, um die angeschlagene Ehe zu kitten. Während Scarlett über ihre weitere Karriere nachdenkt, hat der Hotelier eine neue Investition im Visier. Die beiden sind also nicht unbedingt das harmonische Paar, das sich bei einer zweiten Hochzeitsreise gemeinsam in den Sonnenuntergang verabschiedet.

Viel Zeit bleibt ihnen ohnehin nicht. Nachdem ihnen Geld und Pässe gestohlen wurden, machen sie sich auf den Weg zur amerikanischen Botschaft in Dar es Salaam. Ausgerechnet dort geraten sie in einen Terroranschlag, der ihnen eine ausgesprochen blutige Seite Afrikas vor Augen führt

Diesen Anschlag fand ich tatsächlich atemberaubend beschrieben. Jeremy Bates hält sich nicht mit Samthandschuhen auf und geht bei den Gewaltszenen ziemlich brutal ins Detail. Es sprüht das Blut und es fliegen die Fetzen. Dabei streut der Autor immer wieder humorvolle Momente ein, die Figuren und Leserschaft ein wenig erden. Bei all dem Grauen ist das durchaus hilfreich.

Anschließend wird das Ehepaar entführt und auf ziemlich sagenhafte Weise in den Kongo verschleppt. Allerdings muss man sich bis dahin gedulden, denn gut die Hälfte des Buches ist bereits gelesen, bevor es tatsächlich dorthin geht, wo der Titel es verspricht.

Im Dschungel treffen Scarlett und Salvador auf alles, was die Angst und den Schrecken dieser Umgebung ausmacht. Bedrohliche Pflanzen, gefährliche große und kleine Tiere, und am schlimmsten ist der Mensch, der in der blätterüberdachten Düsternis lauert. Soldaten jeden Alters, die keinen anderen Weg kennen und genau wissen, dass sie hier deutlich die Überlegenen sind. Menschen, die kein Pardon, kein Mitleid und keine Reue kennen, sondern von klein auf mit dem eigenen Überlebenskampf konfrontiert in ihrem Terrain ihren Willen durchsetzen möchten.

Mittendrin steckt das Paar, das im Stil von Indiana Jones durch den Dschungel watet, und sogar etliche Showeinlagen bereithält. Ein bisschen habe ich mich wie in einem alten Tarzan-Film gefühlt, während sich die filmreife Scarlett ein Maschinengewehr schwingend durch den Regenwald bugsierte.

Das liest sich durchaus unterhaltsam und stellenweise auch ziemlich rasant. Nur, mit dem Horror, den ich von dieser Reihe gewohnt bin, hat das für mich immer weniger zu tun. Jeremy Bates setzt diesmal fast ausschließlich auf den realen Schrecken. Und der kann zweifellos grausam sein, entwickelt für mich aber nicht dieselbe unheimliche Atmosphäre wie die anderen Schauplätze der Reihe.

Auch der Dschungel selbst bleibt austauschbar. Ich hatte auch von diesem Ort mehr Eigenständigkeit erwartet. Mythen oder Legenden, die die Kulisse zusätzlich aufladen, fehlen weitgehend, und auch ein wirklich gruseliges Ambiente wollte sich nicht einstellen. Der Kongo ist zweifellos ein gefährlicher Schauplatz, aber als beängstigender Ort für diese Horror-Reihe hat er sehr wenig zu bieten gehabt.

So hatte ich mit „Im Dschungel“ durchaus meinen Spaß, vor allem dann, wenn der Roman ordentlich aufs Tempo drückt und aus dem Ehepaar unfreiwillige Actionhelden macht. Im Vergleich zu den anderen Büchern der Reihe fehlt mir aber genau das, was deren besonderes Ambiente ausmacht. Es fehlt das Gefühl, an einen realen Ort zu reisen, der einem nicht nur wegen seiner Gefahren, sondern allein durch seine Atmosphäre einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Mein Fazit
Es ist ein netter, actionreicher, teilweise amüsanter Ausflug in die grüne Hölle, der für mich ein nicht ganz so beeindruckender Ort der Reihe ist.
★★★☆☆
Band 1 ·Suicide Forest → Rezension
Band 2 · Die Katakomben → Rezension
Band 3 · Helltown → Rezension
Band 4 · Insel der Puppen → Rezension
Band 5 · Im Dschungel → Rezension
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