Samstag, 5. Dezember 2020

Rezension: Pinocchio - Carlo Collodi

Pinocchio - Carlo Collodi
© Random House
Pinocchio
| Carlo Collodi |

Verlag: Anacoda Verlag 2011 (erstmals 1883)
Seiten: 288
ISBN: 9783866476950

MEINE BEWERTUNG 

- ★★★★★ -



Vom märchenhaften Weg zur Einsicht

Ein Stück Holz wird auf wundersame Weise zum Leben erweckt, als ein Hampelmann namens Pinocchio daraus entsteht. Der hölzerne Tunichtgut wünscht sich nichts sehnlicher als ein richtiger Junge zu sein. Dazu muss er vom Lausbuben zum Musterknaben mutieren, während er viele Abenteuer besteht.

Die Abenteuer von „Pinocchio“ sind ein wahrer Kinderklassiker und weltberühmt. Erstmals 1883 im Original als Buch erschienen, hat der wagemutige Hampelmann Generationen von Kindern die Tugenden einer vorbildlichen Kindheit gelehrt.

Ich bin allgemein auf klassische Originale neugierig, daher habe ich mir die ungekürzte Version von „Pinocchio“ geschnappt. Ehrlich gesagt, ich bin verzaubert von dieser hinreißenden Geschichte einer hölzernen Marionette, die ein richtiges Kind werden will. 

Am Anfang ist Pinocchio ein Stück Holz, welches sich zwar schon lautstark beschwert, jedoch noch nicht wahrgenommen wird. Erst als Geppetto einen Hampelmann aus dem Holz macht, steht ein lebhafter Junge vor ihm, dem trotz der fidelen Natur, der letzte Schliff zum Menschenkind fehlt.

Trotzdem beweist Pinocchio, dass er neben dem Sturschädel einen Holzkopf hat. Auf seinem Weg, um ein richtiger Junge zu werden, muss er etliche Abenteuer überstehen, die ihm nach und nach die Tugenden des Lebens auferlegen.

Carlo Collodi hat mit seinem Pinocchio einen trotzigen Holzkopf zum Leben erweckt, der die üblichen Stationen der Kindheit durchlebt. Die Weisheiten der Älteren prallen von ihm als Taugenichts ab und er geht den harten Weg, um zur Einsicht zu gelangen. 

„... wir armen Kinder sind alle miteinander schlecht dran! Jeder scheltet uns aus, jeder ermahnt uns, jeder will uns gute Lehren geben.“ (S. 82)

Thematisch streicht der Autor - mit wohlmeinenden Augenzwinkern - die trotzigen Eskapaden von Kindern hervor: Die bittere Medizin, die keiner schlucken will, gebrochene Versprechen, der Einfluss falscher Freunde oder Warnungen der Eltern, die in den Wind geschlagen werden.

Pinocchio hört kaum auf seinen Vater Geppetto oder die gute Fee, sondern lässt sich vom Umfeld leicht in Versuchung führen. Dementsprechend gelangt er aufgrund eigener Erfahrungen zur Einsicht und sieht, dass der einfachste Weg meistens nicht zielführend ist. 

Carlo Collodi schmückt diese oberlehrerhaften Themen zauberhaft geschickt mit Metaphern und Sinnbildern aus. Fuchs und Katze werden als schlechter Einfluss eingesetzt, die gute Fee ist jederzeit zur Stelle, wenn der elterliche Schutz notwendig ist, und anhand facettenreicher Episoden werden die wichtigsten Tugenden gezeichnet, die äußerst charmant umgesetzt sind. 

„... es steht ja schon im Buch der Wissenschaft, dass alle jene Taugenichtse, die Feinde der Bücher, Schulen und Lehrer sind, jene Faulpelze, die den ganzen Tag herumbummeln, spielen und die Zeit vertrödeln, früher oder später kleine Esel werden.“ (S. 225)

Vom Erzählstil her wendet sich Collodi direkt an den Leser. Das Buch ist so wunderbar geschrieben, dass man ein Bild vom Autor inmitten einer Kinderschar vor Augen hat, während er von Pinocchio erzählt. Die Abenteuer des Hampelmanns sind in greifbare Kapitel unterteilt, die in sich als Episode abgeschlossen sind. Meiner Meinung nach eignet sich das Buch daher als Vorlesebuch, das man mit kleineren Kindern kapitelweise erleben kann.

Mir haben Pinocchios Abenteuer ausgezeichnet gefallen. Der trotzige Holzkopf hat es sich selbst nicht leicht gemacht und mich damit häufig zum Lachen gebracht. Viele Szenen haben mich an meine Kindheit denken lassen, und mir gefällt, dass Pinocchio trotz aller Belehrungen eigene Erfahrungen macht. 

„Pinocchio“ ist ein Klassiker voll märchenhafter Fantasie, zauberhafter Lehren und amüsanter Abenteuer, den ich aus ganzem Herzen weiterempfehle. 
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MEINE BEWERTUNG
★★★★★

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Kommentare:

  1. Hey Nicole,

    hach, es freut mich, dass Du es auch so gerne mochtest wie ich! Wie schön, dass Du es vom SuB befreit und eine tolle Geschichte entdeckt hast :-)

    Liebe Grüße Melli

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    1. Guten Morgen Melli,

      ich bin total begeistert von der Geschichte. Ich bin doch mit starken Vorurteilen daran gegangen, weil ich Pinocchio als Kind gar nicht mochte. Aber die Geschichte ist auf ihre Art sehr bezaubernd.

      Und ja, wieder eine SuB-Leiche befreit. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Liebe Nicole,
    ich mochte leider Pinoccio leider schon als Kind nicht...also werde ich auch das Buch nicht lesen. Aber schön, dass es dir so gut gefallen hat!
    Alles Liebe
    Martina

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    1. Guten Morgen Martina,

      das kann ich total gut verstehen. Ich mochte ihn als Kind auch überhaupt nicht. Bei mir lag es an dieser Zeichentrick-Serie, die fand ich etwas beängstigend. Der Klassiker ist auf jeden Fall entzückend erzählt. Dadurch habe ich einen ganz neuen Blick auf die Geschichte.

      Liebe Grüße & schönen Sonntag,
      Nicole

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  3. Hallo Nicole

    Ich habe das Buch erst vor etwas mehr als zwei Jahren gelesen, weil ich 2018 "Pinocchio" mit meinem Trio aufgeführt habe. Wir haben die Musik dazu gemacht und ein Erzähler hat die Geschichte erzählt. Zudem haben zwei Illustratorinnen noch farbenfrohe Bilder dafür gemalt und so ist ein sehr erfolgreiches Familienkonzertprojekt entstanden. Natürlich wollte ich vor den ersten Proben das Buch auch einmal lesen und obwohl ich vor allem mit einem Bilderbuch von "Pinocchio" aufgewachsen bin, hat mir dieses Märchen auch sehr gefallen. Obwohl es natürlich nicht mehr zeitgemäss ist... Aber die Moral bleibt immer die gleiche. Nur hätte Pinoccho eigentlich - darin waren sich alle Mitwirkenden des Projektes von 2018 einig - nie und nimmer so gut wegkommen dürfen, nach allem, was er angerichtet hat ;-)

    Alles Liebe
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      ich glaube, für Familien ist es genau die richtige Geschichte. Und es hört sich nach einem schönen Projekt an, dass du vor 2 Jahren umgesetzt hast. Klar, das Original passt nicht mehr zu 100 % in unsere Zeit, aber der Sinn hinter der Geschichte ist schön umgesetzt.

      Pinocchio ist schon mehr als ein Schlingel. :D Aber das finde ich schon recht gut gemacht, weil Kinder ja erst mit der Zeit begreifen, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat. So ist es bei Pinocchio auch.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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